Warum ich nur noch im manuellen Modus fotografiere

Wenn ich in der Vergangenheit meinen größten Schritt in der Fotografie zusammenfassen soll, dann ist es der Schritt in den manuellen Modus. Es hat vergleichsweise vielleicht länger gedauert, bis ich verstanden habe, was mir die Belichtungswaage in meiner D7000 andauernd sagt: „Ich habe immer Recht!“

Pfui, du Belichtungsmesser, du hast niemals recht. Nur ich weiß, wann das Bild richtig belichtet wurde und welchen Stil ich verfolge. Ich glaube sogar, dass ich dich austricksen würde, wenn du mir eine Belichtungszeit verrätst und ich dennoch korrigiere.

Für alle Einsteiger zum Verständnis: Die moderne DSLR hat mindestens drei Belichtungsmodi, die Zeitvorwahl (S, T oder Tv), die Blendenvorwahl (A oder Av) oder aber den kompletten manuellen Modus (M). Nun, bei belanglosen Fotomotiven wie Landschaften macht es vielleicht Sinn die Blendenvorwahl zu aktivieren, weil man mit irgend einer App die Hyperfokaldistanz bei einer bestimmten Blende errechnet hat, und aus Bequemlichkeit der Kamera die Auswahl der  Belichtungszeit überlässt. Bei Sportfotografie als Beginner wählt man oftmals die Zeitvorwahl um besonders ausdrucksstarke Mitzieher zu kreieren. Was aber bei einem Portraitshooting unter halbwegs stabilen Lichtbedingungen?

Genau deswegen habe ich mich für den manuellen Modus entschieden. Bei halbwegs stabilen Lichtbedingungen (nicht diese ständigen Wolken/Sonne/Wolken-Wechsel) kann ich nach ein Mal eingestellter Belichtungszeit und Blende (ggf. noch ISO und Weißabgleich) die komplette Session nahezu identisch Abfotografieren und ich erhalte am Monitor später den Aha-Effekt. Warum, fragst du dich? Weil ich sofort erkennen kann, wann ich mein Model in die falsche Ecke gesteckt habe, wann ich dem Model gesagt habe, dass sie den Kopf nach links unten drehen soll und dabei ein grässlicher Schatten entstanden ist, wann ich doch eine gute Position erwischt habe und welche Pose aus welchem Winkel gut aussieht.

Das ganze ist natürlich vielleicht bei meiner aktuellen Entwicklung vielleicht noch gar nicht wirklich ausgereift, aber es hilft ungemein. Manchmal mixe ich den manuellen Modus mit einer der beiden anderen Belichtungsmodi. Ich wähle also die Blendenpriorität und schaue mir an, welche Belichtungszeit mir die Kamera vorschlägt. Dann merke ich mir diese Einstellungen und übernehme sie in den manuellen Modus. Danach schaue ich, ob ich die Belichtung noch anpassen muss oder nicht. Doof ist das ganze nur beim Weißabgleich, aber der lässt sich mit einem RAW Konverter ja prima anpassen (vorausgesetzt man fotografiert im RAW-Format). Vielleicht schaffe ich es ja auch bald mal, den Weißabgleich korrekt zu setzen (ohne Graukarte!)

Welche Vorteile habe ich nun dadurch?

  • Ich habe bei einer konstanten Lichtsituation immer die Sicherheit, dass ich mit den gleichen Einstellungen fotografieren werde
  • Das wiederum bietet mir die volle Kontrolle über mein Model, ich kann Anweisungen geben und mich voll auf die Bildkomposition konzentrieren
  • Ich kann auch im manuellen Modus die Belichtungsmessart wechseln (Matrix, Mittenbetonte Integralmessung und Spotmessung) und erhalte je nach Gewichtung meiner Bildkomposition weiterhin Vorschläge meines internen Belichtungsmessers (die ich natürlich ignorieren werde)
  • Ich kann später beim Aussortieren der Bilder besser entscheiden, welches Bild ich gut und falsch gemacht habe
  • Ich muss mich nicht um viele Parameter kümmern: Blende, Belichtungszeit, Komposition, Fokus, Weißabgleich

Nachteile:

  • Es dauert etwas länger bis man die richtige Kombination gefunden hat
  • Für berührungsängstliche Anfänger vielleicht nicht der optimalste Weg
  • Ich muss mich nicht um viele Parameter kümmern: Blende, Belichtungszeit, Komposition, Fokus, Weißabgleich

Der Haben-ist-besser-als-brauchen-Effekt

Paddy ist schuld. Wer nicht weiß wer Paddy ist, ab zu neunzehn72.de. Paddy predigt ständig in seinen Podcasts „Haben ist besser als brauchen“. Und ich Dummerchen falle da auch drauf rein. Meine Wunschliste wird immer länger, Zeit also für ein Update:

Brauche ich Will ich haben:

  1. Nikon F100 oder die F5
  2. ganz viele Kodak Portra 400 (ich mag die Farben)
  3. externer Belichtungsmesser
  4. D610 besser noch die D800
  5. Nikkor 85mm f1.4G
  6. Nikkor 24 mm f1.4G
  7. Nikkor 135 mm f2 D
  8. Sony Vaio Duo / Sony Vaio Multiflip

Okay ich glaube das ist dann doch zuviel des Guten. Das alles zusammen kostet mich bestimmt mehr als ein deutscher Kleinwagen :(.

Die Kamera, die man nicht einstellen kann

Heutzutage ist es Normalität mit dem Handy zu fotografieren. Kein Wunder bei den Megapixelzahlen, mit denen die Hersteller um sich werfen. Apropos Megapixel: Mehr ist nicht gleich besser. Dennoch habe ich mich heute bei meinen Gedankenzügen dabei erwischt, dass ich doch einmal die installierte VSCO App ausprobieren könnte. Lightroom Besitzer werden beim Namen VSCO sicherlich hellhörig, für alle anderen: VSCO bietet Presets von „alten“ Filmen an. Sprich mit den Presets kommt man den original Filmrollen für Analogkameras recht nahe. VSCO bietet auch eine App an mit der man Bilder fotografieren und gleichzeitig mit einigen Bildlooks versehen kann. Nur Gott verdammt nochmal wieso bin ich kein Fotojunkie wie alle anderen Instagrammer und Facebooker da draußen?

Ich halte also mein Handy auf das zu fotografierende Motiv und erwische mich dabei, wie ich mich frage wo denn die Abblendtaste ist. Wo zum Henker ist denn die Taste für den Weißabgleich, für die Blendenvorwahl oder die Zeitvorwahl. Traurig stelle ich fest, da gibt es nichts was ich drücken kann. Nichtmal zum Auslösen. Ich drücke also auf mein Display und schaue wehmütig dem Bildprozessor zu, wie er das Bild verarbeitet verunstaltet.

Ist es nun eine der vielen Fotografenkrankheiten, wenn ich ein Gerät in der Hand halte und die wichtigsten Funktionen vermisse? Was würde wohl ein preisgekrönter Modelfotograf für Bilder mit einer Handykamera machen, so einer wie Karl Lagerfeld zum Beispiel?

Für alle Instagrammer und Facebook Nerds, die dennoch eine besondere App haben wollen:

VSCO Cam gibt es auf der folgenden Webseite für iOS und Android: http://vsco.co/vscocam

André Duhme über den Weg

Erst kürzlich berichtete ein Arbeitskollege von Menschen in Frankreich, die niemals auf die Idee kämen, den Gesprächspartner nach seinem Beruf zu fragen. Überhaupt schien es für ihn „typisch Deutsch“ zu sein. Ist es so? Heute laufe ich André Duhme über den Weg und sehe, er erzählt es aus der Sicht des Deutschen. Sogar ihn nervt es. Weiter unten in den Kommentaren findet sich wohl der Übeltäter und Auslöser für den Blogpost. Ich glaube dass ich mich in allen Sichtweisen wiederfinde. Ist es wirklich so schwer über etwas anderes zu reden als den Beruf? Ihr kennt doch sicherlich die Bilder oder Karikaturen, in denen die Gesprächsthemen von nüchternen und betrunkenen Männern beschrieben werden. Ich glaube bei nüchtern würde ich überall Beruf rein setzen. Besoffen fangen sie plötzlich an zu philosophieren. Ich will aber nicht abschweifen, Fakt ist. Auch mit Fotografen kann man scheinbar nur über Bilder sprechen. Also technische Aspekte, Bildbearbeitung etc. Aber wieso kann man nicht über die Inspiration sprechen oder über die Geschichte eines Bildes?