Patrick Bauer

Warum ich nur noch im manuellen Modus fotografiere

Wenn ich in der Vergangenheit meinen größten Schritt in der Fotografie zusammenfassen soll, dann ist es der Schritt in den manuellen Modus. Es hat vergleichsweise vielleicht länger gedauert, bis ich verstanden habe, was mir die Belichtungswaage in meiner D7000 andauernd sagt: „Ich habe immer Recht!“

Pfui, du Belichtungsmesser, du hast niemals recht. Nur ich weiß, wann das Bild richtig belichtet wurde und welchen Stil ich verfolge. Ich glaube sogar, dass ich dich austricksen würde, wenn du mir eine Belichtungszeit verrätst und ich dennoch korrigiere.

Für alle Einsteiger zum Verständnis: Die moderne DSLR hat mindestens drei Belichtungsmodi, die Zeitvorwahl (S, T oder Tv), die Blendenvorwahl (A oder Av) oder aber den kompletten manuellen Modus (M). Nun, bei belanglosen Fotomotiven wie Landschaften macht es vielleicht Sinn die Blendenvorwahl zu aktivieren, weil man mit irgend einer App die Hyperfokaldistanz bei einer bestimmten Blende errechnet hat, und aus Bequemlichkeit der Kamera die Auswahl der  Belichtungszeit überlässt. Bei Sportfotografie als Beginner wählt man oftmals die Zeitvorwahl um besonders ausdrucksstarke Mitzieher zu kreieren. Was aber bei einem Portraitshooting unter halbwegs stabilen Lichtbedingungen?

Genau deswegen habe ich mich für den manuellen Modus entschieden. Bei halbwegs stabilen Lichtbedingungen (nicht diese ständigen Wolken/Sonne/Wolken-Wechsel) kann ich nach ein Mal eingestellter Belichtungszeit und Blende (ggf. noch ISO und Weißabgleich) die komplette Session nahezu identisch Abfotografieren und ich erhalte am Monitor später den Aha-Effekt. Warum, fragst du dich? Weil ich sofort erkennen kann, wann ich mein Model in die falsche Ecke gesteckt habe, wann ich dem Model gesagt habe, dass sie den Kopf nach links unten drehen soll und dabei ein grässlicher Schatten entstanden ist, wann ich doch eine gute Position erwischt habe und welche Pose aus welchem Winkel gut aussieht.

Das ganze ist natürlich vielleicht bei meiner aktuellen Entwicklung vielleicht noch gar nicht wirklich ausgereift, aber es hilft ungemein. Manchmal mixe ich den manuellen Modus mit einer der beiden anderen Belichtungsmodi. Ich wähle also die Blendenpriorität und schaue mir an, welche Belichtungszeit mir die Kamera vorschlägt. Dann merke ich mir diese Einstellungen und übernehme sie in den manuellen Modus. Danach schaue ich, ob ich die Belichtung noch anpassen muss oder nicht. Doof ist das ganze nur beim Weißabgleich, aber der lässt sich mit einem RAW Konverter ja prima anpassen (vorausgesetzt man fotografiert im RAW-Format). Vielleicht schaffe ich es ja auch bald mal, den Weißabgleich korrekt zu setzen (ohne Graukarte!)

Welche Vorteile habe ich nun dadurch?

  • Ich habe bei einer konstanten Lichtsituation immer die Sicherheit, dass ich mit den gleichen Einstellungen fotografieren werde
  • Das wiederum bietet mir die volle Kontrolle über mein Model, ich kann Anweisungen geben und mich voll auf die Bildkomposition konzentrieren
  • Ich kann auch im manuellen Modus die Belichtungsmessart wechseln (Matrix, Mittenbetonte Integralmessung und Spotmessung) und erhalte je nach Gewichtung meiner Bildkomposition weiterhin Vorschläge meines internen Belichtungsmessers (die ich natürlich ignorieren werde)
  • Ich kann später beim Aussortieren der Bilder besser entscheiden, welches Bild ich gut und falsch gemacht habe
  • Ich muss mich nicht um viele Parameter kümmern: Blende, Belichtungszeit, Komposition, Fokus, Weißabgleich

Nachteile:

  • Es dauert etwas länger bis man die richtige Kombination gefunden hat
  • Für berührungsängstliche Anfänger vielleicht nicht der optimalste Weg
  • Ich muss mich nicht um viele Parameter kümmern: Blende, Belichtungszeit, Komposition, Fokus, Weißabgleich
2 Antworten
  1. Jupp Schrupp
    Jupp Schrupp says:

    Manuell, was sonst ?
    Am Besten mit einem Handbelichtungsmesser eine Lichtmessung an den wichtigen Punkten machen und man schlägt auch die Trail and Error Automatikfuzzies in der Geschwindigkeit. Und bei Studioblitzen ist der Einsatz von Handbelichtungsmessern Pflicht. Das spart Zeit und man muß viel weniger Probeschüsse machen. Willkommen in der Welt der ernsthaften Fotografie. Alles Andere ist Knipsen.

    Antworten
    • Patrick
      Patrick says:

      Danke Jupp, genau deswegen fotografiere ich manuell und knippse nur im Urlaub wenn ich keine Zeit habe. Der Belichtungsmesser ist das nächste Thema hier auf dem Blog. Ich brauche noch etwas, um den Artikel zu veröffentlichen 😉

      Antworten

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